Ein abnormales Beauty-Startup mit ungewöhnlicher Geschichte

Estee Lauder übernimmt Deciem, Steve Mnuchin wird Investor, Canva kauft Wiener Startup.

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Deciems Milliarden-Deal

Mein Badezimmerschrank gehört jetzt Estee Lauder. Der Konzern übernimmt die Mehrheit am kanadischen Hautpflege-Unternehmen Deciem bei einer Bewertung von 2,2 Milliarden US-Dollar. Zuvor hielt Estee Lauder bereits 29 Prozent an dem 2013 gegründeten Unternehmen, dem die gehypten Marken The Ordinary und NIOD gehören. Mit seinem Fokus auf Wirkstoffe und cleanem Design initiierte Gründer Brandon Truaxe eine Revolution in der Hautpflegebranche, die davor von überteuerten, überparfümierten Produkten geprägt war. Millionen Badezimmer dieser Welt wurden dank The Ordinarys günstigen Produkten zu Chemielaboren.

Deciem hat eine kurze, aber turbulente Geschichte hinter sich. Am Höhepunkt des Hypes um das Startup sorgte Truaxe’ Verhalten, das wahrscheinlich auf Drogenkonsum und psychische Erkrankung zurückzuführen war, für Verärgerung bei den Kunden und Mitarbeitern, er feuerte seine Mitgründerin Nicola Kilner. Estee Lauder leitete rechtliche Schritte ein, entfernte Truaxe aus der Geschäftsführung und holte Kilner als Geschäftsführerin zurück. Der Deciem-Gründer starb 2019 bei einem Sturz aus seiner Wohnung.

Die Übernahme durch Estee Lauder sorgt bei den Fans jedenfalls für Verunsicherung. Im sehr aktiven und sehr empfehlenswerten Reddit-Forum “Skincare Addiction” spekulieren Nutzerinnen darüber, ob der neue Eigentümer die Formulierungen und Preise der beliebten Produkte ändern könnte. Deciems eigene Bezeichnung “The Abnormal Beauty Company” passt jedenfalls angesichts der vielen Ereignisse seit der Gründung.

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Schönen Mittwoch!

Lisa