Ein Börsenkurs mit Firma

Corona-Impfung wird zur Preisfrage und Fragestunde für Tech-Konzerne

Andere Firmen haben einen Börsenkurs, Wirecard war ein Börsenkurs mit Firma.

Das sagt ein Ex-Wirecard-Manager über das, was bei dem Unternehmen seit 15 Jahren abgegangen sein soll. Wirecard wurde neuen Berichten zufolge so lange schon aufgeblasen, Kritiker und Mitwisser unter Druck gesetzt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz muss sich heute in einer Sondersitzung des Finanzausschusses Fragen zum Fall Wirecard stellen.

Was diese Causa so besonders für mich macht, ist, dass mich die Enthüllungen nicht schockieren, sondern bestätigen. Die Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit, mit der Markus Braun und Jan Marsalek offensichtlich dieses Unternehmen hochgefahren haben, habe ich selbst bei Recherchen in den USA und Europa immer wieder erlebt. Der fiktive Wert und die Außenwahrnehmung eines Unternehmens und dessen Gründer stehen gern mehr im Fokus als das Produkt oder die Technologie. Ähnliches vermute ich gerade bei Nikola, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls schließe ich mich in der Sache den Worten meines ehemaligen Kollegen Max Mondel an, der in ForumF schreibt:

Wetten, dass es bei anderen vermeintlich erfolgreichen, aber natürlich auch bei den tatsächlich erfolgreichen Start‐ups nicht anders zugeht? Nur werden von dort erstens kaum Details nach außen geleakt und zweitens werden die heißen Stories von den Medien kaum aufgegriffen.

Während in Deutschland der Fall Wirecard aufgearbeitet wird, werden in Österreich neue Details über die Commerzialbank, bei der gestern das Konkursverfahren eröffnet wurde, bekannt. Und Lukas Sustala nennt dieses Konstrukt treffend “Luftschloss”:

Was Commerzialbank und die Österreich-Niederlassung der Wirecard vereint? Die Wirtschaftsprüfer TPA. Wenig verwunderlich also, dass bei der Wirecard CEE auch viele Unstimmigkeiten unbemerkt blieben.

Kostenfrage Covid-Impfung

Das Bio-Tech-Unternehmen Moderna ist gerade die große Hoffnung auf der Suche nach einer Covid19-Impfung. In der kommenden Phase soll der Impfstoff in einer Studie mit 30.000 Personen in den USA getestet werden. Dafür wird Moderna von der US-Regierung mit 472 Millionen US-Dollar unterstützt. Und schon während der Entwicklung des Impfstoffes wird über die Preisfrage diskutiert. Moderna will bis zu 60 US-Dollar für eine Impfung verlangen, Konkurrent Pfizer hingegen nur 19,5 US-Dollar. Einen guten Überblick über den aktuellen Stand bei der Entwicklung eines Impstoffes bietet übrigens der Vaccine Tracker der NYT.

Und weiters

Die Tech-Konzerne Google, Apple, Facebook und Amazon stellen sich heute vor dem US-Kongress den Vorwürfen zu großer Marktmacht. (New York Times) Vorab sind schon die Argumente von Mark Zuckerberg, Tim Cook und Sundar Pichai durchgesickert. Die Kurzfassung davon: Ihre Produkte machen das Leben besser.

Die US-Regierung plant eine zweite “Stimulus Check”-Auszahlung in Höhe von bis zu 1.200 US-Dollar für Steuerzahler. Der sogenannte HEALS-Act sieht außerdem weitere finanzielle Erleichterungen vor. (CNet)

Die EZB legt den Banken der Eurozone nahe, bis Januar 2021 keine Dividenden auszuzahlen und bei Prämienzahlungen sparsam zu sein. (Financial Times)

Die österreichische Ryanair-Tochter Laudamotion gibt ihre Österreich-Lizenz ab und fliegt künftig mit einer maltesischen Fluglizenz. Die Basis in Österreich soll aber erhalten bleiben. Mit dem Schritt will man offenbar Steuern sparen. (Die Presse)

SAP schickt sein Tochterunternehmen Qualtrics an die Börse. Der Konzern hatte den Software-Anbieter für Nutzerbefragungen 2018 um 8 Milliarden US-Dollar gekauft. (TechCrunch)

Starbucks meldet für das zweite Quartal einen Verlust in Höhe von 678, Millionen US-Dollar. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 38 Prozent auf 4,2 Milliarden US-Dollar. (CNN)


Bis bald,

Lisa