Ein historischer Einbruch – aber nicht für alle

Neue Zahlen zeigen wirtschaftliche Folgen der Pandemie – Tech-Konzerne wachsen trotzdem

Die Folgen des Lockdowns

Das zweite Quartal war nicht nur für viele Unternehmen eine Herausforderung, jetzt zeigen sich auch die gesamtwirtschaftlichen Folgen. Die neuesten BIP-Zahlen aus Deutschland, Österreich und den USA geben wieder, wie sehr die Wirtschaftleistung eingebrochen ist:

  • Deutschland: 10,1 Prozent BIP-Rückgang im Vergleich zum 2. Quartal 2019

  • Österreich: 12,8 Prozent Rückgang im zweiten Quartal

  • USA: 9,5 Prozent Rückgang im zweiten Quartal, auf das gesamte Jahr 2020 hochgerechnet entspreche das 32,9 Prozent

In den USA ist es der größte Rückgang seit Aufzeichnung der BIP-Entwicklung, das österreichische Wifo spricht von einem einzigartigen Rückgang seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Nur das deutsche Ifo-Institut äußert sich etwas optimistischer: „Aus dem Einbruch im zweiten Quartal lassen sich deshalb nur eingeschränkt Schlussfolgerungen ziehen für die Wirtschaftsleistung des Jahres insgesamt.“ 

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind jetzt jedenfalls quantifizierbar, die Börsen reagierten gestern negativ auf die neuen Zahlen. Ein Indiz dafür, dass beim Börsencrash im März zu Beginn des Lockdowns nicht “alles eingepreist” war, was die Pandemie für die börsenotierten Unternehmen bedeuten wird.

Sechs Stunden Kartell-Anhörung

Die Anhörung der CEOs von Amazon, Apple, Google und Facebook vor dem US-Kongress dauerte knapp sechs Stunden, brachte wenig neue oder gehaltvolle Informationen. Spannend wird, ob und wie die US-Regierung nun die Monopolstellungen der vier Tech-Konzerne mit neuen Regulierungen schwächen will. Casey Newton hat das Hearing bei The Verge umfassend analysiert, die Kurzfassung:

In an age where these tech CEOs can feel all but untouchable, Wednesday showed us the beginnings of accountability. The giants were called on the carpet and interrogated. It was overdue, it was messy, and it was unsatisfying. In other words, it was democracy, and I for one was glad to see it.

Die Großen Vier scheinen jedenfalls vom Lockdown profitiert zu haben, wie alle gestern veröffentlichten Quartalsberichte zeigen:

  • Apple hatte mit 59,7 Milliarden US-Dollar das umsatzstärkste Quartal bisher und elf Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

  • Amazons Umsatz betrug im vergangenen Quartal 88,9 Milliarden US-Dollar.

  • Alphabets Umsatz sank im zweiten Quartal um zwei Prozent auf 38,3 Milliarden US-Dollar.

  • Facebook erhöhte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um elf Prozent auf 18,69 Milliarden US-Dollar - der Werbeboykott wirkt sich offenbar noch nicht finanziell aus.

Auf meiner Watchlist

Gold. Silber. „Was Echtes zum Angreifen”, wie es eine Hälfte des Haushalts Oberndorfer beschreibt. Für mich als Fan von digitalen Gütern war der Boom von Gold und anderen Rohstoffen nie nachvollziehbar. Da aktuell Rekordwerte verzeichnet werden, möchte ich dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken. Einen neuen Explainer dazu hat gestern die FT veröffentlicht.

Und weiters

Volkswagen meldet für das erste Halbjahr 2020 einen Verlust in Höhe von 1,4 Milliarden Euro vor Steuern. (Spiegel)

Kodaks Aktienkurs schoss diese Woche von 8 auf bis zu 47 US-Dollar, nachdem Pläne für den Einstieg in den Pharmabereich bekannt wurden. (Yahoo Finance)

Die NBA hat am Donnerstag den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Fans können sich virtuell in die Hallen der Disney World zuschalten. (Geekwire)

Der chinesische E-Auto-Hersteller Li Auto sammelte gestern bei seinem Börsendebut an der NASDAQ 1,1 Milliarden US-Dollar ein. (TechCrunch)

Fürs Wochenende

Zum visuellen Hören: Beyonce veröffentlicht heute ihr Visual Album “Black is King” beim Streaming-Dienst Disney+.

Nur zum Hören: Michelle Obamas neuer Podcast bei Spotify, erster Gast ist ihr Ehemann.

Nur zum Ansehen: Puls24 hat den Bankenkrimi der Commerzialbank aufgearbeitet.

Zum Tüfteln und Essen: Weil mich nach meinem Beitrag vom Montag einige danach gefragt haben, hier das Rezept, das ich für neapolitanische Pizzateig befolge. Nach mehreren anderen Rezepten habe ich mich auf Johnny di Francesco festgelegt. Hier erklärt er den Prozess im Detail:

Schönes Wochenende!

Lisa