Gesichtsverlust unter Freunden

Facebook-Boykotts und Wirecard-Razzien

Von Freunden und Feinden

„You don’t get to 500 million friends without making a few enemies” lautete die Tagline des mittlerweile fast zehn Jahre alten Films The Social Network. Im vergangenen Jahrzehnt und besonders in den vergangenen Monaten bestätigte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg dieses Statement immer wieder. Mittlerweile dürften die Feinde den Konzern nicht nur ideologisch, sondern auch kommerziell verletzen. Immer mehr Werbekunden aus aller Welt boykottieren die Plattform, weil Facebook Hetze und Falschinformationen noch immer Platz schenkt. Die Werbebudgets, die das Unternehmen dadurch verliert, sind noch überschaubar. Allerdings sank der Börsenwert am Freitag um 56 Milliarden US-Dollar.

Der Druck aus der Wirtschaft könnte Facebook also doch nachhaltig schaden oder bestenfalls zu einem Umdenken zwingen. Tech-Journalistin und Zuckerberg-Kritikerin Kara Swisher hat gestern Konsequenzen gezogen.

This column — and the deactivation of my account — is my way of cleaning up my world. But to say I am confident that you, Mark Zuckerberg, will do your part to clean up the rest of the world would be something of an overstatement. Facebook’s still high stock price and your complete control over the company means you can and will continue to do as you please.

Ich bin kein Fan von Social-Media-Aktivismus, aber die aktuelle Situation könnte für Facebook tatsächlich einen großen Relevanz-Verlust bedeuten – und somit könnte auch der Einfluss von Facebook bei der US-Präsidentschaftswahl im Vergleich zu 2016 deutlich geringer sein.

“The difference this time is that CMOs are getting pressure from their boards, and the boards are getting pressure from the public and advocacy groups,” said an executive at a large ad-agency holding company.

Ein kleinerer Verlust für Facebook ist der Rechtsstreit mit dem österreichischen Datenschutzrechtler Max Schrems. Der Konzern muss dem Kläger 500 Euro zahlen und ihm seine Daten übermitteln.

Wieder Razzia bei Wirecard

Jedes Mal denke ich mir, ich möchte euch nicht schon wieder mit Wirecard langweilen, aber jedes Mal passiert wieder irgendetwas Arges. Gestern zog der Aktienkurs massiv an und schloss mit einem Plus von 75,8 Prozent, was die Kleinspekulanten im Haushalt Oberndorfer freute. Vor einigen Minuten kam die Meldung, dass die Staatsanwaltschaft München wieder Durchsuchungen bei Wirecard durchführt. Auch bei einem Objekt in Österreich soll es eine Razzia geben, berichtet die Süddeutsche. Ex-COO und Verhandler des Asiengeschäfts Jan Marsalek ist übrigens noch immer nicht aufgetaucht und versteckt sich irgendwo in Asien vor den Behörden. Ex-CEO Markus Braun wurde gestern außerordentlich gekündigt, und der Insolvenzverwalter will alles, was bei Wirecard noch etwas wert ist, verscherb…äh verkaufen.

Und weiters:

Standard-Wirtschaftsredakteur András Szigetvari hat vor einigen Tagen versucht, von Ökonomen zu erfahren, ob und wann die Inflation kommt. Spoiler: Niemand weiß irgendwas. Heute hat er ebenso erfolgreich versucht, herauszufinden, was das 50-Milliarden-Rettungspaket für die österreichische Wirtschaft bringt:

Warum aber haben IHS und Wifo noch nichts berechnet? Beide Institute haben ihre Prognosen für 2020 und 2021 gerade vorgestellt. In den Berichten hieß es zwar, die Maßnahmen der Regierung seien berücksichtigt. Ein Multiplikator findet sich nicht. Es wurde grob geschätzt, wie die Regierungshilfen das Einkommen von Bürgern und Unternehmen erhöhen könnten und dann angenommen, dass ein Teil dieses Betrages in Konsum geht. Wifo wie IHS argumentieren, dass die Zeit zu knapp war.

Optimistisch sind die deutschen Ökonomen: Das Ifo-Institut rechnet in seiner heute veröffentlichten Prognose, dass die Wirtschaft im dritten Quartal um 6,9 Prozent und im vierten Quartal um 3,8 Prozent steigen werde. (Handelsblatt)

Optimismus auch an den US-Börsen am Ende des zweiten Quartals: Der Dow Jones hatte das beste Quartal seit 1987, S&P 500 das beste Quartal seit 1998 und NASDAQ das beste Quartal seit 1999. (CNBC)

Coty steigt wie vermutet bei Kim Kardashians KKW ein, für 20 Prozent zahlt der Konzern 200 Millionen US-Dollar. (Wall Street Journal) Ehemann Kanye West hat indes mit seinem Label Yeezy eine zehnjährige Partnerschaft mit Gap abgeschlossen. (Business Insider)

Podcast-Tipp

Die oben erwähnte Kara Swisher beendet ihren Recode Decode Podcast nach fünf Jahren mit einem Best-of. Dieses startet gleich mit Mark Zuckerbergs Versuch, Holocaust-Leugner zu verteidigen.

Wenn man sich an The Social Network erinnert, ist es ja nicht unbedingt verwunderlich, dass Hass und Hetze bei Facebook so viel Platz finden.

Bis bald,

Lisa